28. Oktober 2011 - Geburtstagstreffen und Klassenfeste
Neulich war ich zu einem 20sten Geburtstagsfest eingeladen. Eine Frage drängte sich mir auf: War ich eigentlich mit 20 auch so?
20-Jährige verbringen den Abend damit, Leute abzuholen, mit diesen oder andern zu telefonieren und fragen, wann sie kommen und wo sie abgeholt werden sollen.
Ich bin dankbar, dass ich dieses Prozedere nochmal mit anderen Augen miterleben durfte. Mit 30 werden Geburtstagsfeste so gefeiert, dass alles perfekt sein muss, ein perfektes Buffet, genügend gediegene Getränke ... Mit 40 lässt man nochmal die Sau raus, mit 50 geht man ins Restaurant, mit 60 gibts einen musikalischen Abend, mit 70 Kaffee und Kuchen, mit 80 wieder einen musikalischen Abend, mit 90 geht man wieder ins Restaurant (denn die 50-jährigen Kinder organisieren das Fest) und wer 100 wird, lässt nochmal die Sau raus ...
Ich werde alt: Schon wieder eine Einladung zu einem Klassentreffen! Bis heute (mit meinen fast 30 Jahren, das „perfekte“ Geburtstagsfest steht noch bevor – bei mir gibts übrigens Kaffee & Kuchen, hihi) habe ich es erfolgreich vermieden, an Klassentreffen teilzunehmen. Was und wo arbeitest du? Verdienst du gut? Welche Position hast du? Welche weiterbildende Schule hast du besucht? Wie gross ist deine Wohnung? Welche Farbe hat dein Geländewagen? Bist du noch nicht schwanger? Noch keine Kinder? Wie viel, wie hoch, wie gross? Harder, better, faster, stronger … Mein Haus, meine Auto, mein blablabla … Nein danke, kein Bock. Ich bin kein Manager, habe keinen Geländewagen, habe keine Kinder und möchte keine Mulitmedia-Marketing-Business-Controlling-Professional-Weiterbildung machen. Aber trotzdem bin ich glücklicher denn je. Ich bin ausgeglichen (jedenfalls nach dem dritten Kaffee um 10.00 Uhr), entwickle mich persönlich weiter (glaube ich zumindest), bewege mich viel und gerne (rede ich mir manchmal ein), esse gesund und gerne (vor allem gerne) und habe meine bessere Hälfte – wie man so schön sagt – gefunden und bin glücklich, aber das interessiert an einem Klassentreffen keine Sau. Deshalb finden diese immer ohne mich statt – vermisst mich wohl eh keiner: Wie hiess die noch gleich?
An-Zoe von Ranz
